Das vermutlich heißeste Bundestreffen der Geschichte
Das Bundestreffen begann am Freitag, den 26. Juni 2026 mit der Anreise der einzelnen Gruppen nach Kalchreuth. Kalchreuth ist die Wohngemeinde der Familie Deistler und rund 16 km von Nürnberg entfernt. Nachdem die meisten ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten, gab es noch eine kleine Chorprobe, bevor wir den Abend bei kühlen Getränken und guten Gesprächen ausklingen ließen.
Der wichtigste Tag des Bundestreffens war, wie in jedem Jahr, der Samstag. Nach dem Frühstück begrüßte uns Bundesjugendführer Alexander Stegmaier. Anschließend begannen in den Workshops die Vorbereitungen für den Volkstumsabend. Da wir im Wetterbericht bereits gesehen hatten, dass es sehr heiß werden würde, starteten wir zunächst mit den Tanzworkshops. Leonie Hahn übernahm die Tanzleitung für die Kinder und Schüler, während Andre Stegmaier das Tanzen für die Jugend und die jungen Generationen leitete. Aufgrund der großen Anzahl an Tänzerinnen und Tänzern bei den jungen Generationen wurde der Workshop nach draußen vor die Schule verlegt. Als unsere Schattenfläche zusehends kleiner wurde, boten uns die Teilnehmer aus Geretsried die Turnhalle an, in der sie übernachtet hatten. So fand ein Großteil der Tanzprobe schließlich zwischen Luftmatratzen und Feldbetten statt. Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Singen weiter, das auch in diesem Jahr wieder hervorragend von Roland Hammerschmied geleitet wurde.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgte ein besonderer Programmpunkt. Da der Sudetendeutsche Tag in diesem Jahr erstmals in Tschechien, genauer gesagt in Brünn, stattfand, hielt Helmut Hahn einen Vortrag über den Brünner Todesmarsch und den daraus entstandenen Brünner Versöhnungsmarsch. Erik Flöter, dessen Vorfahren den Brünner Todesmarsch miterlebt hatten, gab uns in der anschließenden Fragerunde zusätzlich persönliche Einblicke.
Anschließend fuhren wir mit einem Bus oder in privaten Autos zum Katharinensaal. Unter den Autofahrern entbrannte über WhatsApp ein kleiner Wettstreit darüber, welches Fahrzeug die höchste Außentemperatur anzeigte. Kurz bevor wir den Katharinensaal erreichten, zeigte ein Auto sogar 48 °C an. Direkt nach der Ankunft begann für alle der stressige Aufbau beziehungsweise die Stellprobe. Obwohl der Saal klimatisiert war und bei unserer Ankunft noch eine angenehme Temperatur herrschte, änderte sich das durch die intensiven Tanzproben schnell. Bereits zu Beginn des Volkstumsabends „Egerländer Notenbüchl“ saßen fast alle Teilnehmer und Besucher mit teils selbst gebastelten Fächern aus den Programmblättern oder kleinen Ventilatoren im Saal.
Lena Jobst, Anja Jobst und Marius Hammerschmied führten durch den Volkstumsabend, der unter dem großen Thema „Liebe in all ihren Facetten“ stand. Aufgeteilt in Unterthemen wie die Liebe zur Heimat, die Liebe zu unserer Gemeinschaft oder die Liebe zur Mutter zeigten alle Gruppen, was sie zuhause in den Gruppenstunden oder am Vormittag in den Workshops erarbeitet hatten. Als besondere Gäste bereicherten Steffi Zachmeier und Karin Bümlein den Abend mit ihrer Musik.
Ingrid Hammerschmied, Roland Hammerschmied und Heike Stegmaier, die bei den letzten Wahlen die Bundesjugendführung verlassen haben, wurden mit besonderen Geschenken offiziell verabschiedet.
Besonders emotional war das Ende des Volkstumsabends. Zum einen las Ingrid Deistler aus der Gmoi Nürnberg, die das Buch „Der kleine Prinz“ in die Egerländer Mundart übersetzt hat, ein Kapitel daraus vor. Die Auswahl hätte passender nicht sein können: Der kleine Prinz lernt darin die Liebe kennen und erkennt seine Liebe zu der Rose in seiner Heimat. Jeder, der das Buch kennt, war von der Lesung tief berührt.
Zum anderen war auch das gemeinsame Lied „Kein schöner Land“ in diesem Jahr anders als gewohnt – und gerade deshalb besonders emotional. Zum ersten Mal sangen wir das Lied vierstimmig und mit einem anderen Text. Der von der Band „Maybebop“ verfasste Liedtext setzt sich kritisch mit unserer heutigen Gesellschaft auseinander.
Nach dem Volkstumsabend fuhren wir zurück zur Schule. Zunächst zog fast jeder die durchgeschwitzte Tracht aus und ging unter die Dusche. Anschließend trafen wir uns wieder im Freien vor der Schule, um den Abend bei guten Gesprächen ausklingen zu lassen. Trotz der großen Hitze und der Anstrengungen des Tages versammelte sich ein Teil der Teilnehmer später noch im Foyer der Schule, um – frei von Auftritten und Workshops – bis drei Uhr morgens gemeinsam zu tanzen.
Die dadurch sehr kurz gewordene Nacht hatte zur Folge, dass wir am Sonntagmorgen entsprechend müde beim Frühstück saßen. Dennoch mussten wir schon früh zum Gottesdienst in der Nürnberger Frauenkirche aufbrechen. Aufgrund der Hitzewelle war es dort sogar heißer als draußen, da sich das Gebäude durch die großen Fenster besonders stark aufheizte.
Zum Abschluss wäre eigentlich das offene Tanzen und Singen auf dem Nürnberger Hauptmarkt geplant gewesen. Aufgrund der Hitze und der fehlenden Schattenflächen musste die Veranstaltung jedoch abgesagt werden. Stattdessen nutzten wir die Zeit für ein gemeinsames Gruppenbild vor der Frauenkirche und kamen mit einigen Touristen ins Gespräch, die die Kirche zu diesem Zeitpunkt besuchten. Nach den interessanten Gesprächen fuhren wir zurück zur Schule, wo wir uns umzogen, alles zusammenpackten, aufräumten und die Autos beluden. Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen traten wir schließlich die Heimreise an – mit dem Wissen, das bisher heißeste Bundestreffen der Geschichte erlebt zu haben.
Vielen Dank an alle, die dieses schöne und unvergessliche Bundestreffen möglich gemacht haben.
Andre Stegmaier
