Egerland-Jugend Hessen besucht Egerland – Egerland-Fahrt 2023
Bereits zum vierten Mal unternahm die Egerland-Jugend Hessen eine Reise ins Egerland. 38 Teilnehmer hatten sich angemeldet um die Heimat der Eltern, eines Elternteils oder der Großeltern zu besuchen. Am 17. Mai startete der Bus in Herborn mit Mitgliedern der Gmoin Braunfels, Dillenburg und Herborn. Die Mitglieder der größten hessischen Gmoi stiegen in Offenbach/Main zu. Einen Zwischenstopp gab es in Marktredwitz mit Besuch des Egerland-Kulturhauses und des Egerland-Museums. Obligatorisch war ein Gruppenfoto am Egerland-Brunnen. Gegen Abend wurde dann das Tagesziel Komotau (Chomutov) erreicht.
Am zweiten Tag stand zunächst ein Ausflug nach Kaaden (Kadaň) auf dem Programm. Bereits 1259 wurde die Stadt zur freien Königsstadt erhoben, 1366 erhielt man das Recht der vollständigen Selbstverwaltung. Der historische Stadtkern ist seit 1978 Denkmalschutzgebiet. Der Rundweg durch die Stadt begann am Rathaus mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Rathausturm. Weitere Stationen waren die Säule zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit und die Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes. Bekannt ist die Henkersgasse mit einer Breite von 66,1 cm an ihrer schmalsten Stelle als die wohl schmalste Gasse von Tschechien. Über einen Felsen an der Eger wurde die Burg von Kaaden im 13. Jahrhundert erbaut. Auf mehrfache Umbauten folgte im Dreißigjährigen Krieg die Zerstörung. Nach 1750 erfolgte der Neuaufbau mit der heute noch bestehenden Form.
Zurück in Komotau ging es in das Begegnungszentrum, in dem die Mitglieder des Deutsch-Tschechischen Kulturzentrums mit der Leiterin Emma Laubrová uns freudig begrüßten. Viele Gespräche standen bei Kaffee und Kuchen auf dem Programm. Beeindruckend die Erinnerungen, teilweise belegt mit historischen Dokumenten, und der Schmerz, der noch heute spürbar ist. Unser Fazit: Der Austausch mit Zeitzeugen hat für uns als Egerländer einen nicht ersetzbaren Stellenwert und stellt eine enorme Bereicherung dar. Bereits bei der Hinfahrt hatte Werner Wirth, Singleiter der Offenbacher Gmoi, mit den Teilnehmern Lieder in Egerländer Mundart eingeübt, die jetzt als Dankeschön dargeboten wurden.
Deutlich wurde bei der Stadtführung durch Komotau, dass die Bauweise der Häuser, Sprache bzw. Mundart und Brauchtum immer noch den fränkischen Einfluss bei der Besiedlung zeigten. 1252 wurde die Stadt dem Deutschen Ritterorden geschenkt. Unabhängig von der wechselhaften geschichtlichen Entwicklung hat der Orden wesentlich zur Entwicklung des Ortes beigetragen. Am Marktplatz befindet sich auch das1668 fertig gestellte Jesuitenareal. Nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgelöst wurde dienten die Gebäude zunächst militärischen Zwecken. Heute ist darin unter anderem der Standort einer Bibliothek. Das am Marktplatz gelegene Hotel Royal ist historisch durch das Treffen des preußischen Königs Friedrich, des russischen Zaren Alexander und des österreichischen Kaisers Franz vor der Völkerschlacht bei Leipzig bedeutend gewesen. Das älteste und bedeutendste Denkmal ist die 1281 fertig gestellte St. Katharinenkirche, die heute u.a. als Konzertsaal dient. In der anschließenden Komturei (Verwaltungshaus eines Ritterordens) ist seit 1607 das Rathaus von Komotau untergebracht.
Am 3. Tag der Studienfahrt stand ein Ausflug nach Prag auf dem Programm. Ca. 12 km zu Fuß ermöglichten die Besichtigung der Prager Burg, des Veitsdoms, der deutschen Altstadt und vielem mehr. Auf eine 2-stündige Schiffsrundfahrt folgten Judenstadt, Wenzelsplatz und die Aposteluhr als weitere Höhepunkte. Wir danken Frau Jitka Šindelářová für die kompetente Führung.
Tag 4 ließ die Teilnehmer den Hopfenbau und Saaz (Žatec) erleben. Der Aufschwung von Saaz ist verknüpft mit dem Zuzug von deutschen Handwerkern, Kaufleuten und Künstlern unter König Przemysl Ottokar I. 9 Pfarrkirchen und 5 Kapellen zeugten bereits um 1300 von der Größe des Ortes. Hopfenanbau, Hopfenuhr, Hopfenlabyrinth und Hopfenturm und der Besuch einer Mälzerei informierten über die Bedeutung des Hopfens für Saaz und für die Welt.
Zum Abschluss der Studienfahrt wurde am 5. Tag noch die Egerquelle im Fichtelgebirge besucht. Der Dank geht an die Organisatorinnen der Fahrt Mona Hafer (Gmoi Dillenburg) und Edith Zaschka-Domes (Gmoi Offenbach) und alle Unterstützer.
Foto: Teilnehmer der Studienfahrt am Kohl-Brunnen in Prag – Foto: Matthias Meinl
Teilnehmer an der Egerquelle – Foto: Matthias Meinl
Gesangsvortrag im Begegnungszentrum Komotau – Foto: Matthias Meinl
Bericht: Hans-Jürgen Ramisch