Frühjahrstagung: 70 Jahre Landesverband Hessen – 70 Jahre Egerland Jugend Hessen
Statt einem rauschenden Fest gab es eine Arbeitstagung am 26. März 2023 zum 70-jährigen Bestehen des Egerländer Landesverbandes und der Egerland-Jugend in Hessen. Kulturwart Jürgen Zuber hatte ein eindrucksvolles Programm zusammengestellt, das einen repräsentativen Querschnitt durch die sieben Jahrzehnte bot. Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel freute sich über mehr als 60 Teilnehmer bei der Veranstaltung im Saal des Kath. Kirchen- und Gemeindezentrums St. Andreas in Hungen. Grußworten von Bundesvüarstäiha Volker Jobst und Bundesjugendführer Alexander Stegmaier bildeten den Beginn der Veranstaltung. Mit der Auszeichnung von Uwe Rolle, dem Vüarstäiha der Gmoi Kelsterbach, geehrt mit der höchsten Egerländer Auszeichnung, dem Bundes-Ehrenzeichen, für seine langjährigen Verdienste, gab es gleich zu Beginn einen Höhepunkt. Den Start ins Programm übernahm das Mundart-Duo Christa und Jürgen (Gmoi Limburg) mit „Gröiß di Gott, du ma Eghalånd“.
70 Jahre Landesverband wurden geprägt durch nur acht Landesvüarstäiha (Landesvorsitzende). Dies führte zu einer hohen Kontinuität im Handeln und sicherte so die Bewahrung der Tradition der Egerländer in Hessen. Die Aufarbeitung der Entwicklung erfolgte – wegen des Fehlens einer Chronik – arbeitsteilig unter Orientierung an den Amtszeiten der Landesvüarstäiha und mit Hilfe von Vorgaben von Jürgen Zuber. Damit wurde zugleich die Basis für eine spätere Chronik geschaffen.
Die Landesvüarstäiha in 70 Jahren Landesverband Bund der Eghalanda Gmoin in Hessen waren
• Erhard Fiebinger (1953 – 1958 und 1960 – 1963)
• Rudolf Schwarz (1958 – 1960)
• Dr. Walter Preißler (1963 – 1981)
• Konrad Heidl (1981 – 1991)
• Wenzel Köhler (1991 – 1993)
• Toni Tumpach (1993 – 2003)
• Bernhard Glaßl (2003 – 2019)
• Gerlinde Kegel (2019 – heute)
Als Referenten für die Vorträge waren aktiv: Matthias Bender (Fiebinger, Schwarz), Anette Huyer (Dr. Preißler), Andrea Stanlein (Heidl), Jürgen Zuber (Köhler, Tumpach) und Gerlinde Kegel (Glaßl, Kegel).
Der Landesverband Hessen wurde am 3. Oktober 1953 von Bundesvüarstäiha Ernst Bartl und Erhard Fiebinger in Frankfurt gegründet. Von den Gründungsgmoin existiert heute übrigens keine mehr. Die Zahlen der von Landesverband vertretenen Gmoin zeigen ihre Höchststände mit über 50 Gmoin um 1984. Ein Jahr später konnte die damalige Landesjugendführerin Gerlinde Ortmann (heute Kegel) von 12 Kindergruppen, 6 Schülergruppen, 3 Jugendgruppen und 7 Gruppen der Jungen Generation in Hessen berichten. Über die Jahre hinweg ergibt sich ein ähnliches Bild: 2-jährliche Landestreffen, jährliche Landeshauptversammlungen und Arbeitstagungen. Höhepunkte waren die vielen Landestreffen mit Besucherzahlen im 5-stelligen Bereich. Bei der Trachtenhochzeit in Marburg (Landestreffen 1964) säumten zehntausende Besucher die Marburger Altstadt beim Hochzeitszug, Der Sudetendeutsche Tag in Verbindung mit dem Landestreffen 1960 in Frankfurt zog rund 400.000 Besucher an. Zahlen, die man sich heute nur schwer vorstellen kann. Nicht unterwähnt bleiben darf der Landeschor (ab 1967) mit seinen Dirigenten Michel Reiter, Friedrich Prokorsch, Karl Kutzer und Bernhard Glaßl.
Am Hessentag, der ja die Integration der Vertriebenen als ein Ziel hat, sind die Egerländer seit Beginn ohne Unterbrechung im Festzug vertreten. Neben den Fahnen-, Banner- und weiteren Trachtenträgern gehören flotte Egerländer Melodien der begleitenden Kapelle zum Standard. Auch am Kultur-Nachmittag des Hessentags ist der Auftritt der Egerländer Volkstänzer Tradition. Viele Menschen, die hier nicht einmal alle erwähnt werden können, haben sich im Laufe der siebzig Jahre für das Egerland und den Landesverband eingebracht.
Mona Hafer, bis vor kurzem noch Landesjugendführerin, übernahm es, die Geschichte der Egerland-Jugend in Hessen aufzuarbeiten. Über die Anfangszeit stellte sie fest: Auf der Hauptversammlung 1953 wurde an den Landesvüarstäiha Fiebinger der Auftrag erteilt „einen geeigneten Boum“ zu suchen (Anm.: wie sich die Zeiten doch geändert haben!). Bereits im Oktober 1953 wurde mit Andi Dietl aus Heppenheim ein Landesjugendführer gewonnen. In 1957 gab es den ersten Landesjugendtag in Hessen in Frankfurt, bei dem auch die erste Landesjugendleitung gewählt wurde. Weitere Landesjugendführer waren in der Anfangsphase Karl Huyer und Karl Dietl. In einer ausführlichen Präsentation zeigte Hafer die Entwicklung der Jugendorganisation von 1964 bis heute, die natürlich unzertrennbar mit der Geschichte des Landesverbandes verbunden ist.
An die Vorträge schloss sich ein Hutza-Nachmittag an. Zu Beginn gab es jedoch noch eine Bilderschau, bei der sich die Besucher gerne mit Erinnerungen einbrachten. Gedichtvorträge in Egerländer Mundart von Eduard Fenkl, Anette Huyer u.a. schlossen sich an. Die Egerland-Jugend aus dem Egerländer Volkstanzkreis in Mittelhessen und der Gmoi Offenbach zeigte Tänze wie den „Jägerneuner“ und dem neu erlernten „Vierzwenger“. Zum Abschluss zeigten neun Tanzpaare den „Schäi(n Lustigh“.
Lobende Worte gab es zum Abschluss von Bundesvüarstäiha Volker Jobst für das interessante Programm und die Ausarbeitungen. Er erinnerte an die Anfänge der Gmoiarbeit mit Wirtshaus-Stammtischen und empfahl, diese eher wiederzubeleben, statt bei Schwierigkeiten einen neuen Vorstand zu finden, eine Gmoi-Auflösung vorzunehmen. Gerlinde Kegel bedankte sich bei allen Mitwirkenden und der Organisation (besonders bei Jürgen und Felix Mückstein und weiteren Helfern) bevor das Abschlusslied „Kein schöner Land“ erklang.
Text und Fotos: Hans-Jürgen Ramisch
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Bild „Aktive“ – Aktive und Ehrengäste (v.l.): Felix Mückstein, Jürgen Mückstein, Andrea Stanlein, Anette Huyer, Jürgen Zuber, Alexander Stegmaier, Gerlinde Kegel, Matthias Bender, Christian Meinl, Volker Jobst, Mona Hafer
Bild „Rolle“ – Auszeichnung Uwe Rolle mit dem Bundes-Ehrenzeichen, v.l.: Ehrenmitglied Eduard Fenkl, Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel, Uwe Rolle, Bundesvüarstäiha Volker Jobst
Bild „Publikum mit Duo“: Blick in den Saal in Hungen, im Vordergrund das Mundart-Duo Christa & Jürgen von der Gmoi Limburg
Bild „Tänzer“: Trachtenvielfalt beim Tanzen des „Vierzwenger“ mit Bischofteinitzer, Egerer, Karlsbader (Unterländer) und Marienbader Tracht