Bund der Eghalanda Gmoin e.V.
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Egerlandtag 2007


Farbenfrohes Fest zum Jubiläum

Viele Besucher beim Egerlandtag in Marktredwitz

  in dieser Galerie

 

Groß war die Teilnahme an der Totenehrung auf dem städtischen Friedhof

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Gertrud Fussenegger erhielt den großen Egerländer Kulturpreis Johannes-von-Tepl

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Die Preisträgerinnen freuten sich über die Auszeichnungen

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Die Geretsrieder Bunkerblasmusik trat mehrfach in Erscheinung

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So ein Geschenk hätte Frau Fussenegger auch gefallen

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Anlässlich des Jubiläums erhielten verdiente Persönlichkeiten aus der Hand des Bundesvüarstäihas ein Egerländer Tanzpaar aus Porzellan

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Silke Trübswetter und Ingrid Hammerschmied präsentierten ein buntes Kulturprogramm zum 100. Geburtstag von Otto Zerlik

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Zum Festgottesdienst mit P. Norbert Schlegel war das Zelt gefüllt

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Nach dem Gottesdienst ging es zum Brunnenplatz

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Der Bundesvüarstäiha begrüßte die Ehrengäste und alle Teilnehmer beim Brunnenfest

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Der Egerländer Landeschor Bayern hat heuer den Förderpreis erhalten

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Gesang und Tanz in bunter Mischung

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Staatsministerin Stewens hat weiterhin ihre Unterstützung zugesagt

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Alt-OB Frhr. v. Lindenfels formuliert die "Marktredwitzer Petition."

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Als Sprecher der Sudetendeutschen ist Johann Böhm in seinem Element

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Man muss sich um den Nachwuchs kümmern...

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... damit die Egerländer Identität weitergegeben werden kann

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Mit böhmischen Weisen unterhielt die Egerländer Blaskapelle Waldkraiburg

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Das erste Septemberwochenende 2007 stand in Marktredwitz ganz unter dem Zeichen des Egerlandtags mit der Feier des 100-jährigen Jubiläums des BdEG und der Verleihung des Egerländer Kulturpreises Johannes-von-Tepl.
Schon beim Friedhofsgang am Samstagvormittag war die erste freudige Überraschung auf den Gesichtern der Organisatoren zu sehen: So viele Teilnehmer in Tracht und mit Fahnenabordnungen hat es zur Totenehrung selten gegeben. Die Niederlegung der Kränze und Blumen an den Gräbern von Ernst Bartl, Dr. Hermann Braun, Seff Heil und Dr. Leonhard Holzberger war eine würdige Veranstaltung, angeführt von Bundesvüarstäiha Dr. Ralf Heimrath, Bürgermeister Horst Geißel, P. Norbert Schlegel und fast dem gesamten Bundesvorstand, musikalisch umrahmt von Mitgliedern der Gartenberger Bunkerblasmusik aus Geretsried.

Beim darauf folgenden Festakt im Egerland-Kulturhaus wurde zunächst – außerhalb der Tagesordnung – der Bundesvüarstäiha mit dem Bundesehrenzeichen ausgezeichnet. Als sein Stellvertreter nahm der Landesvüarstäiha Bayerns Ernst Schneider die Verleihung vor. Er lobte den langjährigen Einsatz von Dr. Heimrath für die Egerländer Sache in seinem Heimatkreis und im Bund der Eghalanda Gmoin und dankte ihm für die Amtsübernahme als Bundesvüarstäiha in einer für den Verband kritischen Situation.

Der jährlich vergebene "Große Egerländer Kulturpreis Johannes-von-Tepl" ging heuer an die 95-jährige Schriftstellerin Gertrud Fussenegger. Die gebürtige Pilsenerin, Mitglied in der Eghalanda Gmoi z´ Linz, hat mehr als 65 Werke veröffentlich und gehört zu den großen Persönlichkeiten der deutschsprachigen Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit der Preisverleihung würdigte die Jury das Lebenswerk der rüstigen Dame, die in ihren Dankesworten in Anspielung auf Schillers Wallenstein über den Kulturpreis etwas spitzbübisch bemerkte: "Spät kommt er, doch er kommt."

Mit dem Förderpreis wurde in diesem Jahr der Egerländer Landeschor Bayern geehrt. Sei fast zehn Jahren treffen sich die Mitglieder dieses Chores aus verschiedenen Gmoin in Bayern unter der Leitung von Hannelore Lux und der Organisation von Gudrun Wilm zu Probenwochenenden und verschiedenen Auftritten. Sie pflegen auf ihre Weise das Egerländer Liedgut und zeigen, dass die Egerländer auch in der Sparte der Chormusik zu Hause sind.

Wesentlicher Bestandteil des Festakts war anschließend der Vortrag des Bundesvüarstäihas Dr. Ralf Heimrath zum 100-jährigen Jubiläum des BdEG. 1907 hatte sich der Verband im nordböhmischen Bodenbach etabliert, nachdem es schon seit 1860 einzelne Vereinigungen mit Egerländern gegeben hatte, die in der Fremde – in Wien und in Prag und in anderen Orten des österreichischen Kaiserreichs einschließlich Böhmens – sich zusammengefunden und die Egerländer Sprache, das Liedgut und das Brauchtum gepflegt hatten. „Heimat in der Fremde“ nannte Dr. Heimrath vor diesem Hintergrund seinen Vortrag. Selbst als es dann auch im Egerland eine Reihe von Gmoin gab, gilt dieser Aspekt, war das Egerland doch nach 1918 als Teil der ersten Tschechoslowakischen Republik in seiner Identität bedroht, die Egerländer fühlten sich als Fremde im Staat der Tschechen und Slowaken. Schließlich gilt die Heimat in der Fremde insbesondere für die Situation der Egerländer nach der Vertreibung, als sie hauptsächlich in der damaligen amerikanischen Besatzungszone den Verlust der Heimat schmerzlich erlebten und sich neu finden mussten. Ab 1950 blühten sehr viele neue Eghalanda Gmoin in dieser Fremde auf. Diese Gmoin, die Landesverbände und der Bundesverband boten ihren Mitgliedern eine ideelle Heimat, sie sind der Nährboden für den Erhalt und die Pflege von Egerländer Brauchtum und Kultur, sie bringen Kunst- und Kulturschaffende hervor und aus ihren Reihen entstand 1952 die Organisation der Egerlandjugend. Das Weiterleben der Egerländer Kultur, so Heimrath, ist durch den Erhalt der Egerländer Sachkultur in den Museen einerseits und andererseits in der aktiven Mitwirkung des Egerländer Nachwuchses in den Gmoin und im Verband gewährleistet. Einen neuen Aspekt bietet dabei seit dem Ende des Kalten Krieges und der Samtenen Revolution in Böhmen die Tatsache, dass auch im Egerland selbst nun wieder eine Egerländer Identität möglich ist und insbesondere von den Mitgliedern des Bund der Deutschen – Landschaft Egerland gepflegt wird.

Passend zu diesen Ausführungen erläuterte daraufhin der Leiter des Egerlandmuseums, Volker Dittmar, die zum Egerlandtag gezeigten Ausstellungen über die Papierherstellung im Egerland, über 100 Jahre BdEG und zu Graphiken von Toni Eckert. Auch ein pädagogisches Begleitprogramm für Kinder war während der beiden Festtage organisiert. Die nachwachsende Generation der Egerländer präsentierte sich im Kulturprogramm des Nachmittags mit einer glänzenden Vorstellung von Liedern und Tänzen. Die Wortbeiträge wurden von Silke Trübswetter und Ingrid Hammerschmied vorgetragen. Sie waren dem Egerländer Volkskundler und Dichter Otto Zerlik gewidmet, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Der Sonntag begann mit einem evangelischen und einem katholischen Gottesdienst. Das Festzelt, in dem P. Norbert Schlegel zelebrierte, war brechend voll. Sehr malerisch und effektvoll zogen zu Beginn die Fahnenabordnungen ein. Der am Vortag geehrte Egerländer Landeschor Bayern und die Blaskapelle Waldkraiburg unter der Leitung von Karl-Heinz Spiegel sorgten für die musikalische Begleitung der Egerländer Singmesse.

Nach dem Gottesdienst vermisste manch einer den Trachtenumzug durch die Stadt, mehr jedoch fanden es besser, nach einer kurzen Wegstrecke zum neuen Egerlandbrunnen zu ziehen, wo das Egerland-Kulturhaus und der Brunnen Schauplatz für eine buntes Programm mit Musik und Tanz darstellten. Der Publikumszuspruch war so groß, dass der Platz die Menge kaum fassen konnte und viele nur durch den Blick über die Schultern der Vorderleute etwas sehen konnten.

Dieser Egerlandtag mit dem 100-jährigen Jubiläum des BdEG fand auch von politischer Seite viel Beachtung und Zuspruch. Groß war die Liste der Grußwortsprecher. An ihrer Spitze stand die bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung Christa Stewens, in deren Haus die Belange der Sudetendeutschen in Bayern angesiedelt sind. Sie betonte und bekräftigte die Schirmherrschaft des Freistaats Bayern über die Sudetendeutschen und freute sich, dass nach Jahren der erzwungenen Sparsamkeit die Signale für eine Erweiterung der Fördertöpfe vorhanden sind. So kann auch das Egerlandkulturhaus weiterhin unterstützt werden und darüber hinaus wird es voraussichtlich möglich sein, zusätzliche Maßnahmen zu bezuschussen. Die Ministerin ging auf das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin ein, dessen Entstehung der Freistaat Bayern zusammen mit den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen unterstützen. Auch für das in Angriff genommene Projekt eines Sudetendeutschen Museums in München hat die Staatsregierung Geld bereitgestellt.
Nach der bayerischen Staatsministerin sprachen die örtliche Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger und Landrat Dr. Peter Seißer. In Vertretung der Oberbürgermeisterin Dr. Seelbinder überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Horst Geißel die Grüße der Stadt. Albrecht Schläger, seines Zeichens unter anderem Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen und Vorstandsmitglied im Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, betonte die Bereitschaft zu Gesprächen auf allen politischen Ebenen. Der frühere OB von Marktredwitz, Hans-Achaz Frhr. v. Lindenfels, hatte sich anlässlich des Egerlandtags mit dem Jubiläum des BdEG Gedanken zu einer "Marktredwitzer Petition" gemacht, in der er den Erhalt und die Pflege des Kulturguts der Vertriebenen als "nationale Aufgabe des Bundes und der Länder" beschrieb und die Bundesregierung sowie den Freistaat Bayern aufforderte, solch wichtige Verbände wie den BdEG angesichts der demographischen Entwicklung und der nachlassenden Leistungsfähigkeit nicht im Regen stehen zu lassen, sondern ihn in Betrieb und Unterhalt des Egerland-Kulturhauses stärker als bisher zu unterstützen.

Schließlich kam der Hauptredner Johann Böhm auf die Bühne. Der frühere Präsident des Bayerischen Landtags war den Gästen im übervollen Festzelt schon seit einigen Jahren als Sprecher der Sudetendeutschen bekannt. Noch nicht so lange zurück liegt seine Berufung zum Vorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung. Als Egerländer sind ihm die Sorgen und Bedürfnisse seiner Landsleute vertraut. In seiner Ansprache nahm er jedoch auch Bezug auf die allgemeine politische Situation im Zusammenhang mit den Sudetendeutschen und bekräftigte wie vorher Ministerin Stewens die Forderung nach der Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen. Seine fast in plauderhaftem Ton vorgetragene Rede wurde mit lang anhaltendem Beifall bedacht.

Den weiteren Nachmittag gestaltete die Egerländer Blaskapelle aus Waldkraiburg unter der Leitung von Karl-Heinz Spiegel mit wohlklingender böhmischer Blasmusik. Bis in den frühen Abend unterhielten sich die vielen Gäste im Zelt, bevor sie die Heimreise antreten mussten.

Ralf Heimrath

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