Bund der Eghalanda Gmoin e.V.
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Baden-Württemberg


Landesverband Baden-Württemberg

Landesvüarstäiha Harald Wenig, Schwaikheimer Str. 43, 71336 Waiblingen-Bittenfeld
Tel.: 07146 / 42245 , eMail: wenigegerlaender.de

Die Egerländer in Baden-Württemberg

Wenn wir heute Baden-Württemberg sagen, so erinnern wir uns gerne daran, daß die Einheimischen uns bestätigen, daß die Vertriebenen für das Zustandekommen des Südweststaates mit ausschlaggebend waren. In Nordwürttemberg und in Südwürttemberg-Hohenzollern war die Mehrheit der Einheimischen für den neuen Südweststaat. In Südbaden waren sie mehrheitlich für ein selbständiges Baden. In Nordbaden waren die Vertriebenen das bewußte "Zünglein an der Waage" für "Südwest": Sie bewirkten die Mehrheit der Stimmen für das neue Baden-Württemberg. Zum besseren Verständnis muß man wissen, daß um 1946 nur in Nordwürttemberg und Nordbaden Vertreibungstransporte ankamen. Nur in der amerikanischen Besatzungszone wurden Vertriebene aufgenommen. Die Autobahn von Mannheim bis Ulm bildete ungefähr die Grenze. Im Süden war die französische Zone, im Norden die amerikanische. Die Franzosen haben das Potsdamer Protokoll nicht mit unterzeichnet, also nahmen sie auch keine Flüchtlinge und Vertriebene auf. Erst viel später kamen durch Umsiedlungen deutsche Heimatvertriebene nach Südwürttemberg / Hohenzollern und Südbaden. Damals war es durch die Alliierten verboten, Vertriebenenorganisationen oder gar Landsmannschaften zu gründen. Dennoch entstand bis 1949 der Hilfsverband der Neubürger, aus dem dann die Landsmannschaften, auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft hervorgingen. Es dauerte nicht lange, so kam auch das "unsichtbare Fluchtgepäck" zum Vorschein. Man sang Lieder von daheim oder zeigte ein gerettetes Kleinod, das im 50-Kilo-Sack mit dabei war. Es war eine Frage der Zeit, daß die Verbände und Landsmannschaften, die mit der sozialen Fürsorge begannen, auch kulturell tätig wurden.

Als in Fellbach 1949 bei einem Vertriebenentreffen Richard Fritsch aus Falkenau, der bereits im BdEG-Tetschen-Bodenbach an vorderster Stelle ehrenamtlich mitwirkte, die Egerländer zur Gmoigründung aufrief, war auch in Stuttgart der Anfang gemacht. Die neugegründeten Gmoin im damaligen Württemberg-Baden schlossen sich alsbald zu einem Landesverband zusammen. Auch in der anschließend gegründeten Sudetendeutschen Jugend (SdJ), später auch in der Egerland-Jugend (EJ) begann neues Miteinander. Es gab genug gute Beispiele bzw Lehrende, Vermittler im Wissen um die Heimat in den Gmoin. Da war Franz Jakob von der Gmoi Ditzingen, der als stellvertretender Landesvorsteher sein Wissen und Können ebenfalls vom alten Tetschen-Bodenbacher Bund einbrachte. Ein weiterer stellvertretender Landesvorsteher, der Niklas Kirschnek von der Gmoi Ulm, Geigenbauer und virtuoser Musiker, tat mit. Ein wandelndes Lexikon war der Karlsbader Buchhändler Heinrich Schlaffer, der sich als Landeskulturfondsverwalter und als Kulturwart bewährte. Nicht wegzudenken aus der damaligen Gmoiarbeit war Dr. Ottfried Michl, Landesrechtswahrer, später auch stellvertretender Bundesvorsteher. Er war als Verantwortlicher der früheren Wallenstein-Festspiele zu Eger eine der drei Säulen (neben Hans Matjatko und Adolf Hasenöhrl) der SL Baden-Württemberg. Unzählige Dokumentationen bewirkte der damalige Landeslichtbildner Ernst Stark von der Gmoi Göppingen, später Karl Hacker von der Gmoi Stuttgart. Erinnert sei an Josef Götz aus Neuffen bei Nürtingen. Er benötigte daheim in Eger kein Mikrofon, wenn er bei Feiern sprach. Dies erlebten wir und waren sehr beeindruckt. Viele Beiratsmitglieder hatten in diesem BdEG-Landesvorstand hohe Verdienste. So ist neben dem Volksmusikanten und Stuttgarter Gmoivüarstäiha Rudl Wenig auch Michael Ott von Wendlingen zu nennen und auch der durch seine Graslitzer Mundart bekannte Kaufmann Arthur Lorenz aus Ludwigsburg. In der Gmoi Kornwestheim wirkte Adam Pfortner, ebenfalls ein Altgedienter des BDEG Tetschen-Bodenbach. Daneben entwickelte sich die Egerland-Jugend hervorragend.

Vor Gründung der EJ, ja bereits vor den, Gmoingründungen hatten sich junge und jung gebliebene Egerländer zu Volkstanz und Chorgesang in manchen Städten Nordwürttembergs und Nordbadens zusammengefunden. Sie traten bei Veranstaltungen als Egerländer Sing- und Tanzgruppen auf. Erwähnt sei als Beispiel die Schwäbisch Gmünder Gruppe, die mit 26 Tanzpaaren 1950 bei der Egerländer Trachtenhochzeit von Brautpaar Unger dabei war. (Anmerkung: Reisen mußten selbst bezahlt werden). Einige hatten Trachten von daheim mitgebracht oder von Bekannten geliehen. Die meiste Zeit ihrer Übungstreffen, die mehrmals wöchentlich stattfanden, wurden zur Fertigung und Ergänzung der Trachten aufgewandt; bezahlt wurde alles selbst. Aus den Ledigen dieser Gruppen bildete sich dann die eigentliche Egerland-Jugend heraus. Nach dem ersten EJ-Landesjugendführer Toni Oehl (Petschau) aus Stuttgart folgte Heinrich Lenhart aus Wendlingen. Dieser Vetter aus dem Kuttenplaner Schmelztal hat vor allem den musischen Bereich in der EJ mitbegründet. Der Lenhart Heinrich war es auch, der die heute noch bestehenden herzlichen Verbindungen zu den Trachtlern knüpfte und von diesen sogar zum ersten Gauvortänzer gewählt wurde. Mit mir als EJ-Landesjugendführer und meinem Stellvertreter Helmut Lux wurde in der Jugendarbeit die Brücke vom Volkskundlichen zum Jugendpflegerischen geschlagen. Singen, Tanzen und Trachtanziehen hob die Egerland-Jugend von den anderen SdJ- und DJO-Gliederungen ab. Um das Singen bemühte sich damals die verdiente Schilcher Luise sowie der Lehrer Hans Pohl (Rudig) beide aus Ludwigsburg. Das mundartliche Laienspiel versuchte Alfred Jakob von der EJ-Ulm, ein Bemühen, das dann wohl in "Wallensteins Lager" beim Egerlandtag 1959 in U1m einen besonderen Höhenunkt fand (z.B.: " oh, ich glaub, da kommt ein Leopard" anstelle Lombard ... ). Fahrt und Lager wurde recht zünftig von dem Karlsbader Helmut Lux aus Stuttgart geleitet, das eingeführte Grauhemd war dabei recht nützlich. Wenzel Placht, der frühere Vüarstäiha von Pforzheim nahm sich damals der Heimatkunde an.

Das Heimatpolitische war meine Aufgabe und Gerlinde Fritsche (Karlsbad), heute verheiratete Götzl, schrieb für die EJ. Gar viele könnte man hier noch aus der Erinnerung anführen, wie den Schmirler Walter aus Gerlingen. Dieser EJ-Kassenwart aus Janessen begann mit mir die Trachtenbeschaffung der Egerland-Jugend. Und der wichtigste Mann in Baden-Württemberg war unser Rödl Toni. Von Wendlingen am Neckar aus begann er mit seiner Arbeit als Landesvüarstäiha. Er sorgte sich um seine Landsleute und bildete Gemeinschaften bei uns, den Gmoin aber auch in der SL und im BdV. In Wendlingen gründete er die Gmoi und den BdV, war 15 Jahre lang Gemeinderat und 18 Jahre lang Kreisrat. Als er beruflich nach Heilbronn mußte, entstand auch dort die Eghalanda Gmoi. Der Rödl Toni, später zum Landesehrenvüarstäiha gewählt, ist aus der Gmoigeschichte des Bundes und in BadenWürttemberg nicht wegzudenken. Er begründete das Vinzenzifest in Wedlingen mit, nachdem der Egeraner Walter Helm die Idee dazu hatte. Seit dem letzten Augustwochenende 1952 ist das Egerer Vinzenzifest der Höhepunkt in Wendlingen am Neckar, ja im ganzen Landkreis Esslingen. Rödl Toni wollte unbedingt eine Reliquie beim Vinzenzifest in Wendlingen haben. 1981 stellte Kardinal König, Wien, eine Reliquie des hl. Vinzenzi, des Stadtheiligen von Eger, zur Verfügung. Prälat Dr. Karl Reiß, damals Seelsorger in Offenbach/Main ließ das Heiligtum fassen und am 28.August 1981 in die Kirche St. Kolumban in Wendlingen-Unterboihingen einbringen. Dieses Vinzenzifest gilt heute als Beispiel, wie man ostdeutsche Kultur, ostdeutschen Brauch am Leben erhält, daß auch Einheimische, Bodenständige mitfeiern und dieses Kulturgut mittragen. Dies bestätigten zu Lebzeiten hochrangige Besucher wie der langjährige Schirmherr der Egerländer, Bundesverkehrsminister Dr. Hans-Christoph Seebohm aus Falkenau und andere. Es ist noch so, daß sich beim alljährlichen Vinzenzifest in Wendlingen die Trachttragenden vom Bodensee bis ins Baden-Württembergische Frankenland und von Heidelberg bis Ulm ihr Stelldichein geben.

Ja, die Egerländer waren sogar mit den Schlesiern Mitbegründer des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine, eine der fünf Säulen des Gesamtverbandes der Heimat- und Trachtenverbände in Baden-Württemberg. Die Zahl der Egerländer Landestreffen ist Beweis der unermüdlichen Arbeit für unser geliebtes Egerland. Die Gmoibladln der einzelnen Gmoin zeigen, was Mouhmen und Vettern nach der Vertreibung an Sitten und Bräuchen pflegten, taten, dachten. Führwahr eine große Leistung, um die auch die Egerland-Jugend ihre Verdienste hat. Heute ist Wendlingen am Nackar die Patenstadt aller heimatvertriebenen Egerländer in BadenWürttemberg. Der derzeitige Bürgermeister Steffen Weigel bemüht sich sehr, diese Patenschaft mit Leben zu erfüllen. Er ist ein guter Nachfolger von Bürgermeister Andreas Hesky, jetzt Oberbürgermeister von Waiblingen und Bürgermeister a.D. Hans Köhler, dessen Vater der erste Gmoi-Ümgöldner in Wendlingen war sowie von Altbürgermeister Helmut Kaiser, der die Patenschaftsurkunde unterschrieb. Nicht unerwähnt sei der Regierungsvizepräsident a.D. - damals Landrat - Dr. Schaude, der das sonntägliche Marktrecht für das Vinzenzifest "einbrachte". Der Egerländer Musikanten-Brunnen steht an der Schnittstelle von Wendlingen und Unterboihingen und wird immer an seinen Schöpfer, den Kunstschlosser Emil Schneider - auch BdV-Kreisvorsitzender in Aalen - aus Espenthor erinnern. Mit der Egerländer Heimatstube in Wendlingen im Alten Rathaus hat sich Rödl Toni ein weiteres Denkmal gesetzt. Mit der neuen Egerländer Heimatstube im Heimatmuseum im Forum am Marktplatz hat sich Vüarstäiha Horst Rödl eindrucksvoll eingebracht. Namen wie Otto Zerlik, Kulturwart und Volkskundler, Alfred Hanig, BdEG-Bundesgeschäftsführer, der aus Ingolstadt nach Geislingen/Steige kam, bleiben uns unvergessen. In Geislingen war der Sitz des BdEG zu Ernst Bartls Zeiten, bevor er nach Marktredwitz übersiedelte. Erinnert sei an den Altrohlauer Siegfried Möschl von der Gmoi Stuttgart, der als Kulturschaffender und Kulturfonds-Verwalter hohe Verdienste hatte. Als Betreuer von Ernst Mosch und seinen Original-Egerländer Musikanten förderte Möschl Siegfried den BdEG entschieden.

Seitdem die Landsmannschaft Egerland von Vetter Rödelbach in Württemberg Ende der 40er Jahre zum Landesverband der Eghalanda Gmoin Baden-Württemberg wurde, war Rödl Toni als Landesvüarstäiha an der Spitze. Im Jahre 1990 wurde ich zum Landesvüarstäiha gewählt. Der Landesverband des BdEG Baden-Württemberg war vor der Vereinigung der kleinste Landesverband nach Bayern und Hessen. Dennoch war er im Bundesvorstand immer gut vertreten. Der Erzmusikant, Vetter Erich Baumann aus Tachau, Vüarstäiha der Gmoi z Heidelberg war über lange Jahre "der zweite Mann im Staate", der Bundesschreiber im BdEG. Vieles wurde aus Baden-Württemberg an Ideen in unseren Bund und die Egerland-Jugend eingebracht, denken wir nur an den Heimatschein, den einst Siegfried Möschl für die Stuttgarter Gmoi einführte, den heute alle Gmoin ihren Mitgliedern geben; oder die EJ-Bundestreffen, die von Stuttgart aus "ihren Weg" nahmen.

Im Jahre 1961 wurde auf Veranlassung der damaligen SdJ-Bundesführung die Egerländer Sing- und Spielschar Stuttgart gegründet, die erstmals beim Sudetendeutschen Tag 1961 in Köln u.a. mit vierstimmigen Chorsätzen das Egerland vertrat. Das war insofern wichtig, da die anderen Heimatlandschaften mit ganz bedeutenden Klangkörpern das Ihre vertraten. Nun waren die Egerländer unter meinem Vorsitz und mit Stellvertreter Willi Starck beim Sudetendeutschen Tag, d.h. bei den Volkstumsabenden, mit dabei. Chorleiter wie Edgar Klier, Fritz Kaas, Richard Siegl, Adolf Braun u.a. übten eine Fülle an Mundartliedern ein. Die Spielschar führte nun ihre Kulturprogramme im In- und Ausland auf und erhielt 1972 anläßlich des Sudetendeutschen Tages in Stuttgart ihre höchste Auszeichnung, den Sudetendeutschen Volkstumspreis.

In Baden-Württemberg wurden auch die ersten Schüler- und Kinderfreizeiten durchgeführt. Es begann mit einer Sommerfreizeit in Jebenhausen bei Göppingen und setzte sich im Winter in Tennenbronn, Herrenwies und später auf dem Feldberg im Schwarzwald fort. Da waren diese Freizeiten bereits EJ-Bundesmaßnahmen. Hier ist unter den zahlreichen Organisatoren und Betreuern Lisl Markgraf von der Gmoi Stuttgart besonders zu würdigen.

Der Beginn des BdEG in Baden-Württemberg war recht mühevoll, aber auch in den letzten Jahren ist die Arbeit in den bestehenden 8 von einst 19 Gmoin des Landesverbandes nicht weniger geworden.

Albert Reich

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