Bund der Eghalanda Gmoin e.V.
- Bund der Egerländer -
Sie sind hier: der BdEG > Berichte > Nordgautag 2006

Nordgautag 2006


Beim 36. Bayerischen Nordgautag wurde Nittenau zum fröhlichen Kultur-Zentrum

Ein Feuerwerk der Kreativität: Ausstellungen, Lesungen und mehr

Wollte man sich an dem durch Fronleichnam überlangen Wochenende als Beteiligter in einem Gesamtkunstwerk aus Musik, Volkskunde, bildender Kunst und Brauchtum samt Volksfröhlichkeit vollsaugen, dann war man in Nittenau gerade richtig. Von Donnerstag, 15.06. bis Sonntag, 18.06. fand in dem 9000-Seelen-Städtchen am westlichen Rand des Naturparks Oberer Bayerischer Wald der 36. Bayerische Nordgautag statt. Der war allemal wieder so etwas wie eine temporäre Wander-Metropole der Kunst und Kultur der Oberpfalz und des Egerlandes – intensiv grenzüberschreitend nach Westböhmen hinüber. Die Egerländer waren wieder traditionelle Partner des Oberpfälzer Kulturbundes, der zu diesem Zentralfest eingeladen hatte.

  in dieser Galerie

 

Bild 1/6

 

Bild 2/6

 

Bild 3/6

 

Bild 4/6

 

Bild 5/6

 

Bild 6/6


Allein schon die Anfahrt von Regensburg aus durch das Regental, entlang am dunklen Grün der steilen bewaldeten Hänge, war die Reise wert. Als ständiger Begleiter die moosig dunkelgrün-braunen Windungen des Regens mit den gerundeten grauen Felsbrocken im Wasser waren ein beeindruckendes Naturwerlebnis.
Derart war man geradezu ideal eingestimmt auf die Eröffnungsfeierlichkeiten und die zentralen Ausstellungen des Nordgautages. Zweierlei wurde mit dem Nordgautag unter Beweis gestellt: die kulturelle Vielfalt der Oberpfalz und des Egerlandes sowie die einer lebendigen Stadt wie Nittenau. Was auf Tradition fußt ist richtungsweisend für die Zukunft: Kunst und Kultur, das ist keine Frage des Geldes, sondern des kreativen Potentials und des Engagements.
Und wenn dann noch das Element Kritik des eigenen Tuns dazu kommt, so wie das der Präsident des Oberpfälzer Kulturbunds, Ex-Regierungspräsident Wilhelm Weidinger, angemahnt hat, dann muss einem auch in Zukunft um die Nordgautage nicht Bange sein.

Donnerstag, 15. Juni 2006

Pünktlich um 16.00 Uhr wurde der 36. Bayerische Nordgautag durch die Kirchenglocken der Stadt Nittenau eingeläutet. Anschließend waren festliche Klänge von den Jagdhornbläsern der Jägervereinigung Nittenau vom Balkon am Marktplatz aus zu hören. Nahtlos ging es dann am Marktplatz mit dem musikalischen Auftakt durch die Stadtkapelle Nittenau, den Kolping-Spielmannszug Nittenau und die Blaskapelle der Nordgaustadt 2004 Vohenstrauß weiter.
Um 17.30 Uhr fand dann in der Aula der Volksschule die eigentliche Eröffnung des Nordgautages und aller Ausstellungen statt.
Der Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes, Dr. Wilhelm Weidinger, fand in seiner Eröffnungsrede lobende Worte für die Stadt Nittenau als Ausrichter dieser Großveranstaltung. Sie habe es vortrefflich verstanden, sich selbst, das Brauchtum und die Kultur der Oberpfalz sowie des Egerlandes abwechslungsreich darzustellen.

Nach der Begrüßung durch den Ersten Bürgermeister der Stadt Nittenau Karl Bley und einem Grußwort des Vorsitzenden des Arbeitskreises Egerländer Kulturschaffender (AEK), war Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert an der Reihe. Auch er war voll des Lobes über das „kulturelle Hochfest der Oberpfälzer mit den stammesverwandten Egerländern“. Es sei eine machtvolle und zugleich heiter-festliche Demonstration des kulturellen Erbes und der Heimatpflege in der Oberpfalz, ein Schaufenster der gesamten Region und ein Ereignis, das die Bürgerinnen und Bürger zusammenführe und ihre Gemeinschaft stärke.
Das Motto des Nordgautages „Burgen und Klöster – Stadt und Fluss“ bezeichnete Bizirkstagsvizepräsident Ludwig Spreitzer als „Nittenau-bezogen“ und für diese Region optimal zutreffend. Klöster und Burgen seien hier schon seit jeher Garanten für Beständigkeit und Fortschritt, für Sicherheit und Offenheit gewesen. Im Anschluß haben sich die Ehrengäste, darunter auch Bundesvüarstäiha Günther Müller, in das Goldene Buch der Stadt Nittenau eingetragen. Zahlreiche Gäste besuchten dann auch gleich noch die zahlreichen Ausstellungen. Die Egerländer Ausstellungen waren alle im Haus des Gastes installiert und fanden großes Interesse. Im einzelnen: „Das Gedächtnis der Oberpfalz – 20 Jahre Oberpfälzer Freilandmuseum; Leitung Dr. Ralf Heimrath, Kurt Teuschner – Konkrete Kunst, Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender und Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz; Leitung: Hans-Achatz Frhr. V. Lindenfels, Theo Schücker „Bunte Steine“ Illustrationen zum Werk Adalbert Stifters; Leitung: Dr. Ralf Heimrath und Dr. Sebastian Schott, Tachauer Heimatmuseum in Weiden, „Adolf Huska, Musiker im Egerland und in der Oberpfalz; Leitung: Dr. Ralf Heimrath und Dr. Sebastian Schott.

Freitag, 16. Juni 2006

Dieser Tag stand ganz im Zeichen von Exkusionen. Mit einem Reisebus konnten die Klöster Reichenbach und Walderbach mit Führungen und Besuch des Klavierkonzertes im Barocksaal des Klosters Walderbach besucht werden.
Am Abend standen zwei Veranstaltungen zur Auswahl. Im Gasthaus Jakob spielte die Regensburger Jazz-Formation Voice & Strings mit Steffi Denk (Gesang) & Yankee Meier (Gitarre). Das bekannte Jazz-Duo präsentierte seine „Favourites“.
Wer es im Gegensatz zum Chronisten volktümlicher haben wollte, der konnte im Jugendheim St. Wolfgang die Veranstaltung des Bezirkskulturzentrums Regensburg „Vo Rengschburg an Reng aafe“ besuchen. Diese Veranstaltung unter Leitung von Prof. Dr. Hans Weigert, Regensburg, vom Oberpfälzer Volksliedkreis wurde auf bewährte Weise von Hans Wax M.A. moderiert.

Samstag, 17. Juni 2006

Für alle anwesenden Egerländer war natürlich die Veranstaltung „Oberpfalz und Egerland Hand in Hand - „so feiern die Oberpfälzer und die Egerländer“ ein Pflichttermin. Die Leitung hatte hier Peter W. Schmidt, der Vüarstäiha-Stellvertreter, Kultur- und Musikwart der Eghalanda Gmoi „Josef Hofmann“ z´Regensburg. Moderator Peter W. Schmidt stellte die einzelnen Gruppen vor, die im Saal der Gaststätte Pirzer dafür gesorgt hatten, dass das Echo zu allen Egerländern halle, so Bundesvüarstäiha Günther Müller. Denn aufgrund der Zerstreuung der Egerländer könne nicht jeder die Strapazen einer weiten Reise auf sich nehmen. Mit von der Partie waren das „Original Edelweißtrio“ die „Nesthakerln“, die Egerland-Jugend aus Marktredwitz, die Familie Gareis aus Mintraching, die Gesangs- und Tanzgruppe der Egerländer Gmoi „Josef Hofmann“ z´Regensburg sowie die Egerländer Familienmusik Uhl aus Neutraubling.

„Was feiern wir heute eigentlich?“ meinte Schmidt und erinnerte an den Roider Jakl, der an diesem Tag 100 Jahre alt geworden wäre. Er selbst möge ihn sehr gerne, seine Vierzeiler, im Egerland auch als Veihazahla bekannt, hätten einen philosophischen Hintergrund. „Feiern wir also den Roider Jakl !“ Die vielen Gäste ließen sich gerne darauf ein, sparten am Ende der Darbietungen dieser gelungen Veranstaltung nicht mit Applaus. Großes Interesse und sehr viel Applaus wurde auch dem gemeinsamen Dudelsackspiel von Veronika und Peter W. Schmidt zuteil. Da erfreulicherweise auch die lokale Presse anwesend war, fand der Unterzeichnende auch ausreichen Gelegenheit die jahrhundertelange enge Verbindung zwischen Oberpfalz und Egerland ausführlich zu erläutern.
Die vielen Parallelveranstungen wie Dichterlesungen, Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen konnten die anwesenden Mitglieder des Bundesvorstandes nicht mehr besuchen, da bereits die Vorbereitungsarbeiten für den großen Nordgaufestzug am Sonntag zu treffen waren.

Sonntag, 18.Juni 2006

Heimatgedanke durch Kultur stets neu belebt

Beim Festakt mit Verleihung der Nordgaupreise 2006 in der Aula des Regental-Gymnasiums, hatte Bundesvüarstäiha Günther Müller nach den Begrüßungsworten von Dr. Wilhelm Weidinger, Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes und Karl Bley, Erster Bürgermeister der Stadt Nittenau Gelegenheit zu den Festgästen zu sprechen. Zunächst überbrachte Müller die besten Grüße und Wünsche des Bundes der Eghalanda Gmoin e.V. Der BdEG, der bereits 1907 gegründet wurde habe das Ziel, alle Landsleute zusammenzufassen, die sich für die Erhaltung und Pflege der Egerländer Stammesart einsetzen und diese an die nachwachsenden Generationen weitergäben. Er nannte als einen der „Männer der ersten Stunde“ den Nittenauer Ehrenbürger Dr. Alois Bergmann, der in der Regentalstadt eine zweite Heimat und als Pädagoge eine neue Wirkungsstätte gefunden habe. Seine volkskundlichen Aufzeichnungen gehörten noch heute zu den wertvollsten Arbeitsunterlagen der Bekenntnisgeneration. „Obwohl wir Egerländer durch die unmenschliche Vertreibung vor nunmehr 60 Jahren in die ganze Welt verstreut wurden, halten wir mehr denn je zusammen und fühlen uns trotz erfolgreicher Integration in die jeweiligen Wohnorte nach wie vor der Egerländer Volkskultur verpflichtet. Mit der Pflege unseres Kulturgutes lebt das Egerland weiter“, so der Bundesvüarstäiha. Unter den Sudetendeutschen bildeten die Egerländer seit jeher einen eigenen, ganz individuellen Stammesteil. Zwischen Nürnberg und Prag gelegen, sei die freie Reichsstadt Eger ein Mittelpunkt alter Reichspolitik und seit dem Mittelalter ein kulturelles Zentrum ersten Ranges gewesen, von dem ganz Westböhmen geistig befruchtet und rechtspolitisch gestaltet worden sei. Ohne Erinnerung gäbe es keine geistige, historische und kulturelle Bewahrung von Heimat, endete Günther Müller.
In seiner Festansprache meinte Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner als Vertreter der Bayerischen Staatsregierung: „Es ist wichtig, dass die Menschen Heimat empfinden. Dazu gehört bei uns in der Oberpfalz die kulturelle Vielfalt.“ Spitzner betonte, dass man sich in der Region zwischen Tirschenreuth und Regensburg neuen Herausforderungen zu stellen hatte. Besonders, als die Grenzen zum Osten hin fielen. „Die Oberpfalz hat mächtig ausgeholt“, unterstrich der Staatssekretär und forderte auf, „den Mut zu haben, unsere Stärken zu zeigen“.
Drei Männer erhielten danach die für besondere Leistungen im kulturellen Bereich verliehenen Nordgaupreise. Sie wurden durch den Kulturbundpräsidenten Dr. Wilhelm Weidinger und den Regierungsvizepräsidenten Hans Peißl überreicht.
Weidinger würdigte zunächst die Arbeit des aus Neutraubling im Landkreis Regensburg stammenden Josef Fendl.

Er sei Heimatdichter und Schriftsteller, habe eine imposante Sammlung regional orientierter Sprüche zusammengetragen. „Ein Beschützer bayerischer Sprache und Kultur“, wie Weidinger hervorhob.
Mit dem 62-jährigen Professor Kurt Seibert erhielt ein weit über die Grenzen der Stadt Weiden hinaus bekannt gewordener Musiker den Preis. Seibert, Organisator der Weidener Max-Reger-Tage, lehrt an der Bremer Hochschule für Künste, er gilt – wie ihm Wilhelm Weidinger attestierte – als hervorragender Pianist, hat sich mit größten Engagement dem Werk Max Regers verschrieben. Weidinger wörtlich: „Prof. Seibert trägt Regers Musik in die Herzen der Zuhörer.“
Im Bereich der bildenden Kunst wurde Heiner Riepl ausgezeichnet. Er hat sich in mehrerer Hinsicht einen Namen gemacht: Riepl ist Maler, zeichnet zudem als Leiter des „Oberpfälzer Künstlerhauses“ in Schwandorf für vielerlei Aktivitäten verantwortlich. Heiner Riepl wurde bei der Preisverleihung als „Vater der Künstlerkolonie“ bezeichnet. Mit seiner Arbeit, so Wilhelm Weidinger, habe Riepl in Schwandorf-Fronberg eine unterdessen weltweit beachtete Einrichtung geschaffen.
Einig war sich OKB-Präsident Weidinger mit Staatssekretär Spitzner in der Bewertung des Nordgautages und dessen fortdauernde Notwendigkeit. Das alles erfortert Einsatz: „Wenn die Glut der Kultur erhalten werden soll, muss jede Generation neues Holz herbeischaffen.“

Große Trachtenschau am Regenknie

Böllerschüsse krachten, kurz darauf erklang der erste Marschtakt: Punkt 14.00 Uhr startete ein Festzug, wie ihn die Stadt am Regenknie noch nicht gesehen hatte.
Bei den Musikanten der 27 Blaskapellen und Spielmannszüge, die den Takt vorgaben, stand der Schweiß schon bald auf der Stirn. Den Trachtenträgern ebenso. Ob in Oberpälzer Trachten oder den Gwändern des Bundes der Eghalanda Gmoin e.V., als Gebirgstrachler oder als Ritter mittelalterlich gewandet, der Stimmung tat die große Hitze keinerlei Abbruch, bei den Zuschauern auch nicht. Alle bekamen Applaus. Vor allem die Nabburger „Waschweiber“, die die Zuschauer nass spritzten. Fahnenschwinger, Standartenträger und Musikanten in akkurater Uniform: Ein schöner Anblick reihte sich an den nächsten. Über 170 Vereine und Organisationen nahmen an diesem Festzug teil. Schöner hätten es sich die Organisatoren nicht wünschen können: strahlender Sonnenschein und fröhliche Gesichter allenthalben.
Auch dem Bund der Eghalanda Gmoin e.V. ist es wieder gelungen, einen ansehnlichen Block bilden zu können. Der Bitte des Regenburger OB Hans Scheidinger, vor dem Egerland-Block mit der Kutsche der Landeshauptstadt voran fahren zu dürfen, wurde entsprochen.
Den Block führte dann wie immer der Bundesbannerträger, mit Fahnenabordnung an, gefolgt von Landesvüarstäiha Ernst Schneider mit Gattin Inge. Dann folgte eine große Abordnung der ArGe „Walhalla“ (Gmoin in und um Regensburg) sowie Abordnungen der Eghalanda Gmoin z´Marktredwitz, z`Walssassen und z´München.

Bericht: Toni Graf (Vors der ArGe „Walhalla“ u. Bundespressewart)
Bilder: Erich Wetzka (Bundeslichtbildner)

Aktuelles


TERMINKALENDER



Egerlandbrunnen


Bund der Eghalanda Gmoin e.V.
- Bund der Egerländer -
Fikentscherstr. 24
95615 Marktredwitz

Tel.: 09231 / 661251
Fax: 09231 / 661252


Powered by CMSimple | Template by CMSimple |