Bund der Eghalanda Gmoin e.V.
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29. Landestreffen der Egerländer Gmoin in Hessen
(5. September 2010 in Mörlenbach)


Das 29. Landestreffen der Egerländer Gmoin Hessen fand am 5. September 2010 in Mörlenbach statt. Bereits am Vortag wurde mit dem Landesjugendtag ein wichtiges Signal zur Aufrechterhaltung des Egerländer Brauchtums gesetzt.



Tisch mit Ehrengästen, vordere Reihe (von links): Franz Werni (Stv. Ortsvorsteher),
Volker Buser (Stv. Landrat), Lothar Knopf (Bürgermeister), Petra Glaßl.
Hintere Reihe (von links) Peter Stephan (MdL und Vorsitzender Gemeindevertretung),
Josef Zoubek (Gmoivüarstäiha), Bernhard Glaßl (Landesvüarstäiha)


Die gastgebende Egerländer Gmoi in Mörlenbach wurde 1956 gegründet. Mit über 70 Mitgliedern vertritt sie die Interessen der Egerländer im Odenwald. Seit der Gründung gibt es die Gmoi-Musikanten, die bei verschiedenen Anlässen aufspielen. In den 60er Jahren existierte zusätzlich eine Theatergruppe, die in Mundart aufspielte. Mit dem Egerland-Brunnen in der Karlsbader Straße wurde zudem ein für alle sichtbares Zeichen der ortsansässigen Egerländer gesetzt.



Mimi Herold erhält von Landeskulturwartin Gerlinde Kegel
einen Blumenstrauß zum 85. Geburtstag



Beim Ehrenmal für die Gefallenen, vor dem Friedhof in Mörlenbach, wurde für alle Heimatvertriebenen eine Gedenkplatte errichtet, die an die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Mit der Totenehrung an dieser Stelle wurde traditionell der verstorbenen Mitglieder und der von ihnen ausgegangenen Wirkungen gedacht. Die Kranzniederlegung nahmen Landesvüarstäiha Bernhard Glaßl und der stellvertretende Landesvüarstäiha, zugleich Vüarstäiha der Gmoi Mörlenbach, Josef Zoubek vor. Pfarrer Bernhard Hock sprach das Vaterunser, Landeskulturwartin Gerlinde Kegel übernahm die begleitenden Worte. Musikalisch bildeten die Ohmtal-Musikanten mit dem Choral „Lobet den Herren“, dem schwermütigen Lied „So nimm denn meine Hände“ und dem 1809 entstandenen Trauerlied „Der gute Kamerad“ (besser bekannt als „Ich hatt‘ einen Kameraden“), einen würdigen Rahmen.
Auf eine wechselvolle Geschichte kann die Pfarrkirche Sankt Bartholomäus zurückblicken. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, bald wieder aufgebaut und in verschiedenen Bauabschnitten erweitert, zeigt sie die Verbundenheit der Einwohner Mörlenbachs mit der katholischen Kirche. Besonders auffällig ist der aus drei verschiedenen Bestandteilen bestehende Hochaltar. Zur Heiligen Messe in der Pfarrkirche waren sowohl die Einwohner Mörlenbachs, als auch die Teilnehmer am Landestreffen eingeladen. Und viele waren der Einladung gefolgt, so dass die Kirche Sankt Bartholomäus fast voll besetzt war. Mit dem imposanten Einmarsch der Fahnen und den vielen Trachtenträgern unter den Besuchern wurde auch optisch das Besondere dieses Gottesdienstes deutlich. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Bernhard Hock und Diakon (i.R.) Thomas Fettel. Die musikalische Begleitung an der Orgel hatte Bernhard Glaßl übernommen.
Mit dem Lied „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“ wurde der Gottesdienst eröffnet. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Pfarrer Bernhard Hock das Thema der Nachfolge Jesu. Welche Erwartungen richtet Jesus an die Menschen, die zu ihm gehören und die ihm nachfolgen sollen? Was sind die Kennzeichen für christliches Handeln? Ist der Verzicht auf weltliche Güter zwingende Voraussetzung für die Jüngerschaft Jesu? Bei den Antworten kommt den Werten eine zentrale Bedeutung zu. In den Wertevorstellungen der Menschen sind die wesentlichen Aspekte des Christentums verankert. Stimmgewaltig erklang das 1630 entstandene Kirchenlied „Nun danket alle Gott“, bevor mit „Segne du, Maria, segne mich, dein Kind“ der Gottesdienst beendet wurde.



Margarete Ziegler-Raschdorf zusammen mit Bernhard Glaßl


Der direkt vor der Kirche gelegene Rathausplatz war bei herrlichem Wetter der Schauplatz für das offene Singen und Tanzen. Egerländer Melodien spielten die Original Ohmtal-Musikanten unter der Leitung von Hubert Honsowitz. So erklangen beispielsweise „Grüß Gott ihr Freunde“, „Egerland - Heimatland“ und „Auf der Vogelwiese“. In drei Blöcken erfolgten die Tanz- und Gesangsdarbietungen, bei denen zunächst die Schüler und anschließend die junge Generation ihr Können zeigten. Mit einem kleinen Festzug ging es dann auf den Weg ins nahe gelegene Bürgerhaus. Mit zwei Mittagessen zur Auswahl und einer riesigen Kuchentheke wurde dort für das leibliche Wohl gesorgt. Untermalt wurde die Nahrungsaufnahme mit schönen Egerländer Klängen durch die Ohmtal-Musikanten.
Der Höhepunkt des Landestreffens war der Volkstumsnachmittag, der um 14.00 Uhr mit dem „Egerländer Musikantenmarsch“ begann. Zahlreiche Ehrengäste konnte Landesvüarstäiha Bernhard Glaßl im Bürgerhaus begrüßen. Hierzu gehörten die Schirmherrin Frau Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte der hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, MdL und Vorsitzender der Gemeindevertretung Peter Stephan, Volker Buser in Vertretung des Landrates, Matthias Wilkes, Bürgermeister Lothar Knopf sowie Franz Werni in Vertretung der Ortsvorsteherin Maria Wetzel u.a.m. Da zum gleichen Termin die Hundertjahrfeier der Egerländer Gmoi München stattfand, fehlten - zum Bedauern mehrerer Besucher - Mitglieder des Bundesvorstandes.

In seiner Begrüßung ging Bernhard Glaßl auf die über l00jährige Tradition des Bundes der Egerländer Gmoin ein. 65 Jahre nach der Vertreibung aus der angestammten Heimat ist es aus seiner Sicht als Erfolg zu werten, dass durch Präsenz und Wirken auf kultureller Ebene oder bei grenzüberschreitenden Veranstaltungen das Thema in der politischen Diskussion immer noch gegenwärtig ist. Der Verzicht auf Rache und Vergeltung in der 1950 verabschiedeten Charta der Heimatvertriebenen war in der damaligen Notsituation der Vertriebenen ein klares Bekenntnis zu einem freien und geeinten Europa. Glaßl hob die Bedeutung der Integration innerhalb vieler Gmoin im Landesverband Hessen besonders hervor. „In diesen Gmoin ist es gelungen, die Bekenntnisgeneration zu mobilisieren, sie mit ins Boot zu nehmen und in unsere Arbeit mit einzubinden.“ Das Ziel ist nicht nur, Herkunft und Brauchtum in Veröffentlichungen oder Museen darzustellen und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sondern lebendige Zeugen unserer Gemeinschaft auch in der Zukunft zu haben. „Laßt uns alle gemeinsam - jung und alt - Bekenntnisgeneration und Erlebnisgeneration, die Geschicke unserer Gemeinschaft auch in die Zukunft tragen.“ Margarete Ziegler-Raschdorf dankte im Namen der hessischen Landesregierung für die tatkräftige Mitwirkung der Vertriebenen am gesellschaftlichen Aufbau Hessens. „Die Egerländer Gmoin in Hessen haben bei der Eingliederung der Menschen in ihre neue Heimat Beeindruckendes geleistet und damit zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen.“ 800 Jahre gemeinsame Geschichte im Zusammenleben von Deutschen und Tschechen führten auch zu einer gemeinsamen Entwicklung der Kultur über Jahrhunderte, dies sollte Kraft für eine friedliche Zukunft geben. Ausführlicher ging sie auf die Charta der Heimatvertriebenen vom 5. August 1950 ein. Nur fünf Jahre nach dem Krieg und kurze Zeit nach der schrecklichen Vertreibung, wurde von den Heimatvertriebenen bereits ein klares Bekenntnis zu Europa abgelegt und auf Rache verzichtet. Rund vier Millionen Heimatvertriebene fanden eine neue Heimat in der „DDR“, dies bedeutete, dass jeder vierte Einwohner ein Heimatvertriebener war. Allerdings durfte in dieser politischen Umgebung darüber nicht gesprochen werden und auch keine Verbände gegründet werden. Acht Millionen Heimatvertriebene fanden ihre neue Heimat in der Bundesrepublik Deutschland, rund eine Million Heimatvertriebene kamen nach Hessen. Dort war nach dem Krieg jeder fünfte Einwohner ein Heimatvertriebener. Über zwei Millionen Tote durch die Vertreibung waren außerdem zu beklagen. „Vertriebene haben die Taten auf beiden Seiten nicht vergessen, aber nie gegeneinander aufgerechnet.“ Und mit dem Verzicht auf Rache lässt sich auch ein moralisches Recht auf die Einforderung der Menschenrechte in Europa durch die Heimatvertriebenen begründen, folgerte Frau Ziegler-Raschdorf. Weitere Grußworte kamen von Bürgermeister Lothar Knopf und dem stellvertretenden Landrat Volker Buser.

Die Moderation des Nachmittags hatte, wie schon beim offenen Singen und Tanzen, Landeskulturwartin Gerlinde Kegel übernommen. Mit fröhlichen Worten und strahlendem Lächeln führte sie durch das Programm. Hier wechselten sich die Musikstücke der Original Ohmtal-Musikanten mit den Darbietungen der Egerland-Jugend ab. Landesjugendführerin Mona Hafer freute sich, dass Kinder, Schüler und Jugendliche aus Braunfels, Dillenburg und Herborn vertreten waren. Die einstudierten Stücke wurden bereits am Samstag im Sinne einer Generalprobe beim Hutschaabend der Gmoi Mörlenbach vorgetragen. Die Jugend aus Offenbach weilte mit Katharina König, der zweiten Landesjugendführerin, beim Jubiläum der Gmoi München, um dort den „Schwertertanz zu Eger“ aufzuführen.

„A schäi(n)s Liedl an Eghalånd“, „Schustertanz“ und „Stodltürl (Spring, Måidl, laff, Måidl !)“ standen für die Schüler auf dem Programm. Die „Großen“ der Egerland-Jugend tanzten u.a. den „Jägerneuner“ und den „Sprötzer Achterrüm“. Zu den gesanglichen Darbietungen, einstudiert und geleitet von Helga Spanner, gehörten „Wåiß a Bankl“ und „Bin i niat a schäina Roußbuttnbou?“.
Einen glanzvollen Auftritt legte der Überraschungsgast des Tages hin. Mimi Herold, vielen bekannt als „Egerländer Nachtigall“ und am 2. September 85 Jahre alt geworden, erfreute die Beteiligten mit einigen ihrer Gassenhauer. So erklangen „Wenn es Nacht wird an der Eger“, „Brouda Liederle“ und ein Potpourri Egerländer Lieder. Mitsingen, mitklatschen und sich freuen zog sich durch den Saal. Gerlinde Kegel gratulierte der Jubilarin mit einem großen Blumenstrauß.
Die Jagdhornbläsergruppe Mörlenbach setzte mit 10 Aktiven einen besonderen Schlusspunkt des offiziellen Programms. Vor dem gemütlichen Ausklang mit den Original Ohmtal-Musikanten erklang das gemeinsam gesungene Abschlußlied „Kein schöner Land“.

Bernhard Glaßl bedankte sich bei allen Beteiligten für die Vorbereitung und die Durchführung des Landestreffens, wobei ein besonderer Dank der ausrichtenden Gmoi Mörlenbach galt.

Hans-Jürgen Ramisch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landesverband Hessen

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